Die Mauern des Schlosses erzählen

Die Mauern des Schlosses erzählen

Das Winterspeisezimmer

Obwohl Schackenborg mehrmals verändert und umgebaut wurde, sind mehrere der originalen Räume und beeindruckenden Dekorationen immer noch bewahrt. Dies gilt insbesondere für das Winterspeisezimmer, eines der bezauberndsten Zimmer von Schackenborg.

Der ursprüngliche dreidimensionale Stuck an der Decke des Winterspeisezimmers aus ungefähr dem Jahr 1664 ist erhalten. Der Stuck, der zu den bedeutendsten Stuckarbeiten aus dem frühen Barock in Dänemark gehört, symbolisiert die vier Himmelsrichtungen. Asien und der Mittlere Osten sind durch eine Person, die mit einem Weihrauchfass auf dem Rücken eines Kamels sitzt, symbolisiert. Afrika ist durch die Abbildung eines Krokodils nach damaliger Auffassung vertreten. Der Künstler hatte sicher zu wissen bekommen, dass solch eines ein langes Maul und Zähne habe, einen langen Schwanz und Krallen an den Füßen. Mit den Augen unserer Zeit ähnelt das Krokodil jedoch am allermeisten einem Fabeltier. Amerika wird durch einen Jäger auf einem Gürteltier symbolisiert und Europa durch eine Heldin oder Göttin, die den Feind besiegt hat. In der einen Hand hält sie ein Schwert während sie einen Krieger in Rüstung mit Füßen tritt. Ihr Schwert ist zerbrochen, und man ist versucht zu glauben, dass das gebrochene Schwert eine spannende und tiefe Symbolik hat. Aber die Erklärung ist viel bodenständiger. Das Schwert ist nämlich ursprünglich intakt gewesen, wurde jedoch beim Spielen von Kindern beschädigt – nicht in neuerer Zeit, sondern um das Jahr 1880. In der Mitte des Stucks steht Fortuna. Um sie herum zwei wilde Pferde und im Hintergrund sieht man ein Schloss.

An den Wänden des Winterspeisezimmers hängen wunderschöne und originale Gemälde mit Porträts des Adelsgeschlechts Schack. Dieses Zimmer ist somit ein Teil der Ahnengalerie des Adelsgeschlechts. Zentral in der Mitte sieht man zwei ovale Porträts des Feldherrn Hans Schack und seiner Ehefrau Anna. Um diese herum hängen mehrere Porträts der vielen darauffolgenden Generationen. Besonders die interessanten Kinderporträts sind einen Blick wert.

Außerdem gibt es im Winterspeisezimmer eine Reihe von Kleinoden – dazu gehört der Marschallstab von Hans Schack und die Reproduktion der Goldhörner, die Christian X. geschenkt bekam, als er 1920 im wiedervereinigten Sønderjylland über die Grenze ritt. Die Reproduktion gehört heute Prinz Joachim, der sie von Königin Margrethe geschenkt bekam, als er in Schackenborg einzog.

Der Goldene Salon

Früher hieß der Goldene Salon Parkettzimmer. Der Name heute ist jedoch aufgrund der vielen vergoldeten Möbel und Rahmen um die Gemälde sehr viel passender. Der Goldene Salon ist ein echter Rokoko-Salon, um das Jahr 1780 eingerichtet. Um das Jahr 1730 kam das Rokoko, von 1720-1789 die herrschende künstlerische Stilrichtung in Europa, nach Dänemark. Obwohl es sich hierbei um einen kurzen Zeitraum handelte, bekam das Rokoko großen Einfluss auf alles von Möbeln bis hin zu Röcken. Die Stilrichtung war durch verschnörkelte und asymmetrische Ornamente gekennzeichnet und wurde durch Ostasiens bildende Kunst beeinflusst, die damals in Europa Beliebtheit erlangte. Daher war es wohl kein Zufall, dass frühere Mitglieder des Adelsgeschlechts eine wunderschöne japanische Lacktruhe in diesen Raum stellten. Die Truhe, die Scharniere aus Silber hat und mit Haihaut verkleidet ist, steht mindestens seit 200 Jahren im Schloss, ist aber schon sehr viel älter. Sie war nämlich bereits antik als sie hierher kam.

Der Stuck des Goldenden Salons ist typisch Rokoko mit Jahreszeit inspirierten Ornamenten. Er spiegelt somit den Wechsel der Jahreszeiten wider. Der Winter wird durch die Jagd, der Sommer durch Früchte, der Herbst durch geerntete Kornähren und der Frühling durch einen Blumenkorb symbolisiert.

In diesem herrschaftlichen Gesellschaftssalon hängen außerdem eine Reihe von Porträts von Königen, u.a. ein Porträt von Frederik V., und Königin Louise, gemalt von Carl Gustav Pilo. Das Gemälde ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Geschenk des Königs gewesen und hat daher eine zentrale Platzierung in diesem schönen Raum bekommen. Auch Porträts von Frederik IV. und Anna Sophia Reventlow sowie Christian VI. schmücken die Wände im Goldenen Salon.

In einer kleinen Vitrine liegen Nippsachen und Dinge mit Bezug zu Schackenborg, u.a. eine ägyptische bronzene Bärenklaue, die mehr als 3000 Jahre alt ist. Die Klaue war ein Teil der ägyptologischen Sammlung von Hans Schack V., die vor vielen Jahren verkauft wurde, aber auf vielen Umwegen als Hochzeitsgeschenk für Prinz Joachim wieder nach Schackenborg zurückkam.

Das Rote Zimmer

Das Rote Zimmer ist eines der interessantesten Räume auf Schackenborg, u.a. weil der ursprüngliche Stuck sehr gut erhalten ist. Das Zimmer ist ein Ecksalon, der ursprünglich in zwei Räume geteilt war. Das sieht man deutlich daran, dass die zwei Bereiche im Zimmer sich in verschiedene Richtungen orientieren, und auch der hübsche Stuck an der Decke ist davon geprägt, dass hier einst zwei Räume waren. Irgendwann wurden zwei kleinere Gemächer oder Zimmer zu einem größeren Raum zusammengelegt. In der Mitte hängt immer noch ein großer Haken, an dem wahrscheinlich ein großer Kronleuchter gehangen hat.

Unten hat das Rote Zimmer ein schönes Wandpaneel aus kleinen Engeln und Palmenzweigen. In einer Nische wird das Paneel vom gekrönten Wappen des Adelsgeschlechts Schack geziert. Über den beiden Türen des Raums, die weiter in den Hauptflügel von Schackenborg führen, sieht man zwei Supraporte. Eine stellt das ursprüngliche Schloss Christiansborg dar und die zweite einen Blumenkrug. Richtet man den Blick an die Decke wird man sofort in den Bann des schönen Stucks gezogen. Das zentrale Motiv des Stucks im westlichen Teil ist ein Artillerist, der an seinen Mörsern, damals die vornehmste militärische Waffenart, steht.

Der andere Teil des Stucks im Roten Zimmer ist in vier kleine Felder aufgeteilt, in denen Kraniche und Pfauen zu sehen sind. Diese Wahl wurde nicht zufällig getroffen, denn jeder der Vögel ist Teil einer bewusst gewählten Symbolik. Der Kranich hält nämlich einen Stein in seinen Krallen. Dies als Symbol für Wachsamkeit, denn es gibt eine Geschichte, die besagt, dass der Kranich mit einem Stein in den Krallen sitzt, den er verliert, falls er einschläft. Daher wird er immer wachsam und wach sein. Der Pfau ist ein Symbol für Unverdorbenheit.

Im Roten Zimmer gibt es auch eine Nische im Rokokostil, die nicht Teil des ursprünglichen Zimmers gewesen ist. Auch ein vornehmer Christiansfelder Ofen mit Kacheln mit Blumenmotiven ist später dazu gekommen. Der Ofen wird in der Heizsaison noch heute verwendet. Es dauert drei Tage, bis er handwarm ist – aber dann bleibt er auch eine Woche lang warm.

Die Säle von Schackenborg – Der Rittersaal und der Große Speisesaal

In Schackenborg gibt es zwei große Säle, wie es sich für ein echtes königliches Schloss gehört. Beide liegen im Hauptflügel genau übereinander im Erdgeschoss bzw. in der 1. Etage, und sie haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Ausdrücke und Funktionen bekommen.

Im Großen Speisesaal, der sich im Erdgeschoss befindet, treffen zwei Stilarten aufeinander, und zwar der Barock im ursprünglichen Boden auf die spätere Rokokoornamentik an den Wänden und an der Decke. An jeder Seite des Saals stehen zwei große offene Kamine, die bei großen Gesellschaften benutzt werden. Das knisternde Feuer ist ein beeindruckender Anblick. Wie der Name es andeutet wird der Speisesaal für große Festessen für mehr als 12 Personen genutzt. Insgesamt ist hier Platz für ca. 80 Gäste.

Im Großen Speisesaal hängen auch zwei Porträts von Hans Schack und seiner Ehefrau Anna Blome. Sie wurden von Heimbach gemalt und stammen wahrscheinlich aus der Zeit bevor Hans Schack Feldherr in Dänemark wurde – während er Kommandant in Hamburg war. Die Porträts sind somit älter als Schloss Schackenborg und wurden vom Feldherrn hierher gebracht.

Die Porträts von Prinz Joachim und Prinzessin Marie im Großen Speisesaal sind jedoch ganz neu. Sie wurden am 5. Mai 2016 enthüllt. Die Porträts wurden vom Künstler Per Pardorf gemalt, der einen modernen Ausdruck mit naturgetreuen Porträts gewählt hat.

Der Rittersaal im 1. Stock wurde viele Jahre nur als Aufbewahrungs- und Abstellraum verwendet. Erst unter Prinz Joachim wurde 2004-5 mit einer Restaurierung des Saals begonnen und der Saal bekam seine ursprüngliche Schönheit wieder. Sowohl der Stuck als auch die Wandverzierungen sind ganz deutlich Rokoko und so nahe dem Original wie es nur sein kann. Der Stuck wurde seit seiner Anbringung um das Jahr 1780 nämlich nur dieses eine Mal retuschiert. 2007-8 wurden die Verzierungen an den Wänden wieder hergestellt und der Boden abgeschliffen, so dass wieder die ursprünglichen Planken und handgeschmiedeten Nägel zu sehen sind.

Die Gemächer und geheimen Winkel von Schackenborg

Wenn man in den Gemächern und geheimen Winkeln von Schackenborg auf Entdeckungsreise geht, trifft man überall auf Spuren von den Menschen, die das schöne Schloss mehr als 350 Jahre bewohnt und genutzt haben. Denn Schackenborg ist kein Museum, sondern ein Schloss, in dem Generationen ihr Leben gelebt haben, und in dem jeder einzelne Raum und Gegenstand eine eigene Geschichte zu erzählen hat.

Auf dem langen Flur im 1. Stock trifft man z.B. auf die große Reisetruhe des Feldherrn, die immer noch die Lacksiegel von Hans Schacks vielen Reisen trägt. Auf dem Flur hängen alte Porträts Seite an Seite mit Jagdtrophäen von Rot- und Damhirschen aus der heutigen Zeit.

Schackenborgs umfangreiche Bibliothek verfügt über Bücher auf Dänisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Latein, Griechisch, Hebräisch und Arabisch. Viele von ihnen wurden von Hans Schack V. und Otto Didrik V. eingebunden und verschönert, denn damals galt es als besonders vornehm, wenn man seine Bücher selbst einband. Einzelne Werke in der Bibliothek von Schackenborg gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Aber in der Bibliothek findet man nur einen Teil der beeindruckenden Buchsammlung von Schackenborg. Wenn man auf dem Dachboden auf Entdeckung geht, wird man auf Kisten und Regale mit Büchern treffen.

Geht man auf dem Dachboden weiter findet man deutliche Spuren der Menschen, die hier gewohnt und gearbeitet haben. Plötzlich entdeckt man eine alte Handschrift auf einem der Dachbalken. Neuere Möbel und Gemälde, die nicht mehr gebraucht werden, stehen hier Seite an Seite mit einem uralten, zusammengerollten Deckengemälde von Apollon in seinem Streitwagen aus den persönlichen Gemächern von Hans Schack. Es wurde abgenommen weil es entweder zu zerschlissen war oder die Mode sich geändert hatte und wurde als Isolierung auf dem Trockenboden verwendet, auf dem die Bediensteten wohnten. So konnte die schlimmste Zugluft vermieden werden.

Die Herrschaft wohnte sehr viel angenehmer in den schönen Gemächern von Schackenborg. Jedes hat seinen ganz individuellen Ausdruck, und jedes ist geprägt von der ehemaligen Funktion, von den Bewohnern und Gästen. In einem Gemach kann man z.B. schöne Decoupagen von Königin Margrethe sehen. Wieder handelt es sich nicht um passive Kunst, sondern u.a. um nützliche Schachteln und einen Handspiegel. Denn Schackenborg ist ein lebendiges und königliches Schloss, in dem auch weiter gelebt wird, wie es seit 350 Jahren der Fall ist.

Das Äußere von Schackenborg

Bei einem Blick auf Schackenborg durch die schöne Gitterpforte ist man ohne Zweifel schnell beeindruckt vor Schönheit des Schlosses und vom Atem der Geschichte, der hier zu spüren ist.

Schackenborg wurde zwischen 1661 und 1664 erbaut und war ursprünglich in roten Backsteinen errichtet worden. Erst in den 1750ern bekam das Schloss das heutige Aussehen mit weißen, geputzten Mauern. Der Stil ist Barock, die dominierende Stilart in den 1660ern, und das dreiflügelige weiße Schloss zeichnet sich heute klar und schön gegen den blauen Himmel und die grünen Bäume ab. Dass das Äußere des Schlosses, die Gebäude und der Schlossgarten heute so schön sind, ist insbesondere auf das Geschenk des dänischen Volks zurückzuführen, mit dem 1995 die umfangreichen Renovierungsarbeiten in Angriff genommen werden konnten.

Genau wie die Innenräume von Schackenborg ist die äußere Umgebung von den Menschen, die hier einmal gewohnt haben, geprägt. Vor Schackenborg steht eine Reihe von Salutkanonen, die daran erinnern, dass ein Feldherr das Schloss schuf. Zwei der Kanonen tragen das Wappen des Adelsgeschlechts Schack und wurden speziell für den Feldherrn gegossen. Auch ein Gedenkstein für Hans Schack steht im äußeren Schlosspark, dem so genannten Sønderhaven. Der Stein wurde 2011 von Prinz Joachim enthüllt.